Über uns

Seit 1880 gibt es in München regelmäßige wöchentliche Zusammenkünfte von Getreidehändlern und Müllern zum Zweck des Getreidehandels und die dazugehörige Schiedsgerichtsbarkeit. Im Jahre 1921 wurde für diese Handels- und Schiedsgerichtsaktivitäten in München, Schwaben und Oberbayern die "Münchener Produktenbörse" errichtet, die nach dem 2. Weltkrieg - 1948 - in Gestalt der "Bayerischen Warenbörse" neu entstanden ist. Die Bayerische Warenbörse in München ist seither der Platz, wo für Südbayern Agrarprodukte gehandelt und notiert werden - ab 1972 zusätzlich auch leichtes Heizöl. Im Sommer 2007 hat sich die Bayerische Warenbörse München mit der Produktenbörse Landshut zusammengetan. Die dadurch entstandene große südbayrische Börse trägt den Namen "Bayerische Warenbörse München-Landshut".

Heute ist die Handelstätigkeit an allen Börsen - so auch an der Münchner Warenbörse - infolge der Konzentration in der Agrarwirtschaft und wegen des Ersatzes des Handels nach Muster durch den Handel nach Laborwerten, die durch die elektronischen Medien übermittelt werden, stark in den Hintergrund getreten. Die Notierungen allerdings sind auch heute noch von großer Bedeutung. Dabei handelt es sich um Notierungen regional tatsächlich gehandelter Preise für prompte Lieferungen. Sie sind wichtig für alle Verkäufer, Einkäufer und wohl auch Produzenten der Region, weil das Informationsbedürfnis dieser Marktteilnehmer nicht erschöpft ist mit Preisen, die in London oder Chicago für "Futures" notiert werden. Ein Kaufmann wird nicht alles, was er hat oder braucht, per Terminhandel decken - er wäre kein Kaufmann, wenn er nicht mit einem erheblichen Teil seiner Ware oder seiner Nachfrage auf den prompten Märkten handelte.

Zunehmend wichtig sind auch die Börsentage wie die jährlich stattfindende "Europäische Warenbörse" oder die "Internationale Bayerische Warenbörse" in München. Diese "Messen der Agrarwirtschaft" dienen der Vorstellung der Produkte sowie der Anknüpfung und Vertiefung persönlicher Beziehungen unter den beteiligten Kaufleuten. Die finanzielle Größenordnung der meisten Transaktionen im Bereich der Agrarwirtschaft und die damit verbundenen Risiken machen es notwendig, auch persönliche Eindrücke von den Geschäftsfreunden zu erhalten, mit denen man über das Jahr handelt. Das geschieht auf den regionalen und überregionalen Börsentagen und auf den "Schwerpunktbörsen", die in München in etwa sechswöchigen Abständen mit Vorträgen zu aktuellen Themen der Branche durchgeführt werden.

Das Schiedsgericht der Bayerischen Warenbörse schließlich ist ein weit über Bayern hinaus bekanntes Schiedsgericht. Seine Schiedsrichter sind erfahrene Kaufleute und Juristen, die mit Handel und Usancen der Agrarwirtschaft seit vielen Jahren vertraut sind und besser, schneller und kostengünstiger als die staatlichen Gerichte entscheiden können oder sachgerechte Vergleiche empfehlen. Für Bayern wie auch jede andere Region sind Vorhandensein und Funktionsfähigkeit einer Warenbörse, ihrer Notierungen und der Schiedsgerichte auch aus Wettbewerbsgründen von allergrößter Bedeutung. Gäbe es diese Einrichtungen nicht, würden die Preise für die bayerischen Ernten anderswo notiert und bayerische Kaufleute müßten sich einfinden vor Schiedsgerichten außer Landes.

Die Mitgliedschaft an der Bayerischen Warenbörse steht jedem seriösen Kaufmann - ob Händler, Agent, Bank oder Verarbeiter - grundsätzlich offen. Derzeit gibt es Bestrebungen, auch großen landwirtschaftlichen Betrieben oder Erzeugergenossenschaften die Teilnahme am Börsengeschehen zu ermöglichen.